Mitgefühl statt Streit in der Partnerschaft

Mitgefühl statt Streit in der Partnerschaft

„Die Grundlage des Weltfriedens ist das Mitgefühl.“ (Dalai Lama)
Wie oft hab ich mich schon gefragt, warum wir als Menschheit immer noch Kriege führen müssen.
Sind wir denn immer noch nicht schlauer geworden?!?
Bis ich irgendwann verstanden habe, dass all das keine Frage unserer kognitiven Fähigkeiten ist, sondern vielmehr eine Frage unserer eigenen Verletzungen.
„Verletzte Menschen verletzen Menschen“
Und das fängt schon im Kleinen an.
Wie oft führen wir kleine Kriege in unserer eigenen Partnerschaft…
Mit den eigenen Kindern (oder Eltern)…
Oder in uns selbst – zwischen verschiedenen inneren Anteilen…
Wie oft entscheiden wir uns für Formen des Angriffs, anstatt friedlich miteinander zu verhandeln?!?
Kritik
Beschuldigungen
Recht haben wollen
Den anderen verurteilen oder beschämen
Drohungen (wenn Du nicht… dann…)

Und wie oft „schlagen wir zurück“, wenn wir angegriffen werden?
Das stimmt doch gar nicht… DU bist das Problem…
Rechtfertigung
Schuldzuweisung
Sarkasmus
„Bestrafung“ in Form von Bindungsabbruch, eisigem Schweigen, Ignorieren o.ä.

Und wie oft richten wir die Gewalt gegen uns selbst und behandeln uns schlimmer, als unsere ärgsten Feinde?
Selbstbeschämung
Selbstbestrafung
Permanente Schuldgefühle
Limitierende Glaubenssätze, die wir uns immer wieder vorsagen (ich bin nicht gut genug, ich kann das nicht…)

Erkennst Du Dich in der einen oder anderen Strategie wieder?
Das führt natürlich zu der Frage:
Warum tun wir das?
Und wie kommen wir da wieder raus?!?
Wie der Dalai Lama schon so schön gesagt hat, liegt die Lösung für all das im Mitgefühl.
Mitgefühl für uns selbst.
Mitgefühl für unsere Liebsten.
Mitgefühl für alle Lebewesen.
Und die höchste Kunst: Mitgefühl für Menschen, die uns (verbal) angreifen oder verletzen (weil sie in dem Moment nicht anders können)
Jesus hat vor 2000 Jahren schon gewusst: „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ bringt uns nicht weiter.
Wenn wir den ewigen Kreislauf von Gewalt durchbrechen wollen, geht es darum, auch seine „Feinde zu lieben“ bzw. ihnen mit Mitgefühl zu begegnen, weil ich weiß, dass hinter jeglicher Form von Gewalt ein verzweifelter, verletzter Mensch steht…
„Verletzte Menschen verletzen Menschen“
Es geht also darum die Verletzungen in uns und anderen zu heilen, anstatt noch mehr zu verursachen.
Es geht darum diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Und was eignet sich da besser als Übungsraum, als die eigene Partnerschaft und Familie?
Wie Gandhi gesagt hat: „Be the change you want to see in the world“
Es geht darum, im Kleinen anzufangen.
Wenn wir uns alle täglich darin üben, uns unsere alten ungesunden Muster bewusst zu machen und zu stoppen…
Wenn wir uns alle täglich darin üben, uns selbst, unserem Partner und unseren Kindern mit etwas mehr Liebe und Mitgefühl zu begegnen…
Wenn wir uns alle täglich darin üben, den verletzten Menschen hinter triggerndem Verhalten zu erkennen und uns dabei helfen unsere Wunden zu heilen…
Wenn wir uns alle täglich darin üben, den eigenen Stolz zu überwinden, um Verzeihung zu bitten und einander zu vergeben…
… dann ist das schon ein riesiger Schritt hin zu einer besseren Welt.
All das heißt natürlich nicht, dass Du jegliches Verhalten Deines Partners einfach über Dich ergehen lassen sollst.
Natürlich geht es auch darum klare Grenzen zu setzen – aus Liebe und Respekt zu Dir selbst.
Aber wie es konkret möglich ist dieses Mitgefühl zu kultivieren, schauen wir uns jetzt an.

Mitgefühl statt Streit in der Partnerschaft
#1 Nervensystem regulieren

Als erstes ist es wichtig zu verstehen, dass all die oben genannten Strategien eigentlich dazu dienen sollen uns zu schützen. 
Wenn Gefahr droht, schaltet sich unser Nervensystem ganz automatisch in den Überlebensmodus. 
Fight or Flight – Kämpfen oder Fliehen.
Und wenn das aussichtslos ist – Freeze – Erstarrung oder Dissoziierung.
In der Steinzeit war das auch durchaus sinnvoll, wenn der Säbelzahntiger hinter uns her war.
Aber heute stellt sich die Frage, was wir alles als bedrohlich erachten.
Heute reagiert unser Nervensystem auf Stress und Konflikte mit dem Partner oft genauso wie damals, als unser Überleben gefährdet war.
Der Körper schüttet Hormone aus, die uns auf Kampf oder Flucht vorbereiten. 
Die Muskeln spannen sich an, das Herz schlägt schneller und die Teile des Gehirns, die für rationales Denken und soziales Miteinander verantwortlich sind, schalten sich aus. Wir reagieren meist automatisch und unbewusst mit…

  • Kampf – Kritik, Beschuldigung, Verurteilung, Drohung, etc.
  • Flucht – emotionaler Rückzug, Bindungsabbruch, Konfliktvermeidung
  • Erstarrung – unfähig, irgendetwas zu sagen oder den Raum zu verlassen (erst im Nachhinein fällt uns dann ein, was wir alles hätten sagen sollen) 
  • Es dem anderen recht machen und alle Schuld auf uns selbst nehmen

Solange unser Nervensystem in diesem aktivierten Zustand ist, ist es sehr schwer bis unmöglich mitfühlend mit uns selbst und dem Partner zu sein oder rational zu argumentieren.
Deshalb liegt der erste Schritt darin, zu lernen das eigene Nervensystem zu regulieren und wieder in einen entspannten Zustand zu kommen.
Was dabei helfen kann ist:

  • Tiefe Bauchatmung
  • Länger ausatmen als einatmen, am Besten noch mit einem Seufzer
  • Summen oder Singen (aktiviert den Vagusnerv, der für unsere Entspannung verantwortlich ist)
  • Kaltes Wasser ins Gesicht oder kalt duschen
  • Sich selbst umarmen oder streicheln
  • Den gegenwärtigen Augenblick mit allen Sinnen wahrnehmen (Was siehst Du? Spürst Du? Hörst Du? Riechst Du?)

Anfangs ist es hilfreich, dafür die Situation erstmal zu verlassen und etwas später nochmal das Gespräch zu suchen.

Mitgefühl statt Streit in der Partnerschaft
#2 Den „guten Grund“ erkennen

Wenn wir wieder entspannt sind und klar denken können, dann ist der nächste Schritt nochmal aus einer anderen Perspektive auf die Situation zu schauen.
Meistens ist unsere Wahrnehmung in Triggersituation sehr einseitig.
Der Partner ist der Schuldige und im Unrecht. 
Ich bin das Opfer und habe natürlich Recht 😉
Oder manche Personen tendieren auch dazu die Schuld immer bei sich selbst zu suchen und sich selbst dafür zu verurteilen oder zu beschämen.
Aber beides ist nicht hilfreich.
Um wieder in Verbindung zu kommen und eine kreative Win-Win-Lösung zu finden, ist es wichtig aus diesem schwarz-weiß-Denken auszubrechen und Mitgefühl zu entwickeln.
Was könnte der „gute Grund“ für das Verhalten Deines Partners sein?
Oder was war Dein „guter Grund“ für Dein Verhalten?
Oft interpretieren wir die Situation in nur einer möglichen Art und Weise. Aber es könnte noch tausend andere Gründe und Szenarien geben.
Sich das bewusst zu machen kann schon sehr hilfreich sein.
Wenn der eigene Partner beispielsweise die Spülmaschine nicht – wie vereinbart – ausgeräumt hat, ist oft die erste Schlussfolgerung „Er respektiert nicht nicht“, was natürlich zu einer sehr starken emotionalen Reaktion führen kann.
Aber es kann natürlich auch noch viele andere Gründe haben. 
Vielleicht hat er es einfach vergessen.
Vielleicht wollte er es gerade machen, als ein Anruf dazwischen kam.
Vielleicht wollte er es später machen.

Manchmal hilft auch ein Perspektivwechsel… Dich mal ganz bewusst in die Situation Deines Partners zu versetzen und Dir zu überlegen, wie Du in diesem Fall gehandelt hättest.
Oder Dir zu überlegen, wann Dir vielleicht schonmal etwas ähnliches passiert ist.
Oder auch den Partner einfach nur mit den „Augen der Liebe“ zu sehen, als menschliches Wesen mit Stärken und Schwächen, der eben auch manchmal Fehler macht.
Dazu gibt es eine wunderschöne Meditation, die ich gerne mit Dir teilen würde.
Wenn Du merkst, dass Du von jemandem getriggert bist oder es Dir schwer fällt die positiven Seiten zu sehen, schließe Deine Augen und stell Dir, dass diese Person vor Dir steht. Dann mache Dir bewusst…
Die Person hat Gefühle und Gedanken – genauso wie Du.
Die Person hat viele Verletzungen erfahren – genauso wie Du.
Die Person macht sich manchmal Sorgen und hat Angst – genauso wie Du.
Die Person ist immer wieder traurig, enttäuscht, wütend oder verletzt – genauso wie Du. 
Die Person hat oft das Gefühl nicht gut genug zu sein – genauso wie Du.
Die Person gibt sich Mühe ein guter Mensch zu sein – genauso wie Du.
Die Person macht Fehler – genauso wie Du.
Die Person lernt jeden Tag dazu – genauso wie Du.
Die Person sehnt sich danach so akzeptiert zu sein wie sie bist – genauso wie Du.
Die Person sehnt sich nach Liebe – genauso wie Du. 
Spüre das Mitgefühl in Deinem Herzen und sende dieser Person in Gedanken Deine Liebe und gute Wünsche (was auch immer sich für Dich in dem Moment stimmig anfühlt).

Mitgefühl statt Streit in der Partnerschaft
#3 Das unerfüllte Bedürfnis erkennen

Marshall Rosenberg, der Gründer der GFK (GewaltFreien Kommunikation) hat einmal gesagt: „Jede Kritik, jedes Urteil und jeder Ausdruck von Wut ist der tragische Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses“
Sobald ich also mein eigenes Nervensystem reguliert habe und meinen Partner wieder mit Mitgefühl betrachten kann, lohnt es sich mal zu forschen, welches unerfüllte Bedürfnis er oder sie durch sein unglückliches Verhalten eigentlich zum Ausdruck bringen wollte.
„Unglücklich“ oder „tragisch“ in dem Sinne, da dieser Form der Kommunikation leider meist nicht dazu führt, dass das Bedürfnis erfüllt wird, sondern stattdessen nur Widerstand erzeugt.
Wenn mein Partner mir also mal wieder eine Szene macht, weil die Zahnpasta Tube nicht zugeschraubt oder die Spülmaschine nicht ausgeräumt war, lohnt es sich mal etwas tiefer zu schauen. Welches Bedürfnis ist hier nicht erfüllt?
Ordnung?
Wertschätzung?
Respekt?
Gleichberechtigung?
Verlässlichkeit?
Solange wir uns über die Zahnpasta Tube oder die Spülmaschine streiten, und uns gegenseitig attackieren, werden die die Schutzmechanismen nur noch stärker und die Fronten verhärten sich.
Erst wenn wir einander mit Mitgefühl begegnen und die Bedürfnisse dahinter erkennen, können wir uns wieder annähern und Lösungen finden, die sich für beide stimmig anfühlen.
Und manchmal – wenn die emotionale Reaktion – extrem stark ist, kann es auch ein Ausdruck von alten Verletzungen sein, die erstmal gar nicht so viel mit dem Partner selbst zu tun haben. 
Wenn mein Partner beispielsweise normalerweise eigentlich sehr emphatisch ist, aber an einem Tag mal in Gedanken woanders ist, während ich ihm etwas erzähle und dann richtig viel Wut hochkommt, dass er mir ja „nie“ zuhört und mich wohl gar nicht mehr liebt… dann kann das ein Trigger sein, der alten Kindheitsschmerz wieder zu Tage fördert, dass ich als Kind vielleicht oft nicht gehört wurde oder nichts zu sagen hatte und daher an der Liebe meiner Eltern gezweifelt habe…
Dann geht es gar nicht unbedingt darum, eine Lösung zu finden, wie der Partner noch besser zuhören kann, sondern einen sicheren Raum zu schaffen, in dem der alte Schmerz und die alte Wut sein darf und ich lerne, dass ich kein kleines Kind mehr bin und einen wundervollen Partner an meiner Seite habe, der mich wirklich liebt und mir hilft meine Wunden zu heilen.

Mitgefühl statt Streit in der Partnerschaft
#4 Vergebung

Wie bereits erwähnt, sind wir alle nur Menschen und auch wenn ich mir jetzt bewusst bin, wie wichtig ein entspanntes Nervensystem, Mitgefühl und eine bedürfnisorientierte Kommunikation sind, wird es ganz sicher immer wieder Situationen geben, in denen mir all das nicht gelingt.
In denen ich wieder in alte Muster falle und zum Selbstschutz Dinge tue und sage, die mir danach vielleicht leid tun.
Auch da gilt es mitfühlend mit Dir selbst zu sein.
Wir sind alle auf dem Weg… und nicht perfekt…
Aber es gibt einen Weg, all das wieder gut zu machen.
Und zwar NICHT in Scham zu versinken und zu versuchen, den Fehler zu vertuschen.
Sondern stattdessen ganz bewusst hinzuschauen, um mein eigenes Verhalten besser zu verstehen, warum ich so gehandelt habe und was ich in Zukunft anders machen möchte.
Und dann auf die Person zugehen und um Vergebung bitten. (Oder wenn das physisch nicht möglich ist, in der eigenen Vorstellung)
Und auch mir selbst ganz bewusst vergeben.
Denn auch Schuldgefühle und Groll führen im Laufe der Zeit nur zu noch mehr Verhärtung.
Mitgefühl und Vergebung führt zurück in die Verbindung, in die Liebe und auch in die Freiheit (von der Vergangenheit).
Was sind Dinge, die Du einer anderen Person noch vorwirfst?
Was sind Dinge, für die Du Dich selbst noch mit Schuldgefühlen plagst?
Vielleicht ist es an der Zeit, all das loszulassen und um Vergebung zu bitten?
Auch in der Partnerschaft ist es sehr hilfreich, es sich zur Gewohnheit zu machen, immer proaktiv auf den Partner zuzugehen und um Verzeihung zu bitten.
Egal ob nach einem Streit oder wenn ich nur etwas vergessen habe oder etwas doofes gesagt habe.
Denn so gebe ich meinem Partner immer weniger Gelegenheiten mich zu kritisieren. Und so können wir gemeinsam all die Kleinigkeiten, die zwischen uns stehen regelmäßig aus dem Weg schaffen, um die Verbindung immer weiter zu stärken.
Und wenn es mir gelingt, all das in der Partnerschaft zu üben, in einem sicheren Umfeld, mit einer Person, die mich liebt (aber natürlich auch triggert), dann hilft das nicht nur, um den eigenen Kindern vorzuleben, wie ein friedliches, liebevolles Miteinander aussehen kann.
Sondern ist auch der erste Schritt, um das auf alle anderen Beziehungen zu übertragen.
Und so – Schritt für Schritt – mehr Bewusstsein und Liebe in die Welt zu bringen.
Wenn ihr das Thema noch weiter vertiefen möchtet oder Euch bei der Umsetzung Unterstützung wünscht, weil die Muster doch zu stark und festgefahren sind, dann laden wir Euch ganz herzlich ein, bei unserer Gratis Online Masterclass „reConnect to Love“ mit dabei zu sein, die am 01.07.24 wieder stattfindet. Tantra Schnupprabend
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