Reconnect Prem Meli Damian

Wie Du durch klare Grenzen die Grundlage schaffst für tiefe Verbindung

Das Thema Grenzen liegt uns beiden sehr am Herzen – vor allem in Bezug auf Tantra und Sexualität.

Wie oft hat jemand Deine Grenzen überschritten? 

Wie oft hast Du es selbst zugelassen oder explizit erlaubt?

Es fängt schon bei so alltäglichen Dingen an, wie wenn sich ein Fremder in der U-Bahn neben mich setzt und eine Stimme in mir schreit: „nein, geh weg, ich will das nicht, ich brauch meinen Space“. Aber die Stimme wird sofort betäubt. Es steht mir nicht zu soviel Raum einzunehmen. Das ist schließlich ein öffentlicher Raum. Stell Dich nicht so an. Er macht doch gar nichts. Oder wenn eine Person im Gespräch immer einen Ticken zu nah bei mir steht und selbst wenn ich mich unauffällig von ihr weg bewege, immer wieder hinterher kommt… Bis hin zu sexuellen Begegnungen, bei denen mir die Art der Berührung zwar nicht gefällt, ich aber nichts sage weil ich den anderen nicht kränken möchte. Wenn ich Schmerzen bei der Penetration verspüre, aber von mir selbst so frustriert bin, dass ich meinem Partner sage, dass er ruhig weitermachen soll. Oder wenn ich es über mich ergehen lasse, weil es ja wohl zu einer Beziehung dazu gehört.

Und wie oft hast Du selbst die Grenzen anderer überschritten? 

Und es rechtfertigt, weil der andere ja auch was hätte sagen können?

Auch das können gut gemeinte Dinge sein wie ein Überreden auf einer Party: „Nein, nein, nein, Du gehst jetzt noch nicht nach Hause. Komm wir trinken noch was“ oder jemanden zu umarmen, der das vielleicht gar nicht möchte. Oder alles was keine klares NEIN ist als JA zu interpretieren… bis hin zu einem Drängen zum Sex. „Wir hatten schon so lange keinen Sex, irgendwann musst Du doch mal Lust haben.“ „Jetzt zier Dich doch nicht so. Du willst das doch auch.“

Ich denke, es gibt unendlich viele Beispiele, die wir selbst regelmäßig erleben. Manche davon sind nicht weiter schlimm, manche liegen bereits in der Grauzone und viel zu oft führen diese Grenzüberschreitungen zu sexuellem Missbrauch.

Und das passiert leider auch in vielen Tantraschulen. Deswegen ist es uns ein extrem wichtiges Anliegen für das Thema zu sensibilisieren und Präventionsarbeit auf allen Ebenen zu betreiben.

Für eine bewusst gelebte Sexualität ist es essentiell wichtig die eigenen Bedürfnisse und Grenzen spüren und kommunizieren zu lernen und die Grenzen anderer zu respektieren.

Als kleines Kind sind wir da meistens noch sehr gut mit uns selbst in Kontakt. Wenn unserer 2 jährige Tochter eine Person zu nah kommt, die sie nicht mag oder ihr eine Berührung nicht gefällt, dann läuft sie einfach weg oder sie schreit. Ganz einfach. Sie versucht nicht es irgendjemandem recht zu machen, sie hat keine Angst vor Ablehnung, aber sie ist danach auch nicht gekränkt oder beleidigt. 

Im Laufe der Zeit haben die meisten von uns jedoch gelernt sich anzupassen oder wurden dazu angehalten die eigenen Grenzen zu überschreiten. „Jetzt ist die Tante von so weit her angereist, nur um Dich zu sehen. Jetzt setz Dich mal auf ihren Schoß und gib ihr ein Bussi.“ Normalerweise bin ich kein großer Fan von allgemeinen Rollenclichés, aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass Jungen in der Erziehung sehr viel öfter vermittelt bekommen, dass sie stark sein müssen und nicht weinen sollen – und dadurch später Schwierigkeiten haben ihre Verletzlichkeit zuzulassen – und von Mädchen eher erwartet wird lieb und nett zu sein und ihre Wut zu unterdrücken – und damit die Fähigkeit NEIN zu sagen und Grenzen zu setzen. Meine Eltern hatten auch irgendwann die glorreiche Idee als Erziehungsmethode, meinen personifizierten „Will nicht“ ins Klo zu spülen. Und mir damit zu verstehen zu geben, dass „will ich nicht“ keine akzeptierte Antwort ist. 

In meiner Arbeit mit Frauen merke ich immer wieder wie vielen von uns es unendlich schwer fällt ein deutliches und klares NEIN auszusprechen. Kein „mhm… ich glaub eher nicht“… oder „vielleicht… ich überlegs mir noch“… nicht mit schief gelegtem Kopf und einem „bitte-hab-mich-trotzdem-lieb-Blick“ oder einem entschuldigendem Lächeln. Viele von uns haben gelernt, dass wir nur dann geliebt sind, wenn wir die Erwartungen anderer erfüllen und haben unglaublich viel Angst vor Ablehnung wenn wir dies nicht tun.

Und gleichzeitig kenne ich einige Männer, die von sich selbst felsenfest überzeugt sind, nichts falsch gemacht zu haben und sich wirklich ernsthaft wundern, warum Frauen, mit denen sie Sex hatten, plötzlich den Kontakt abbrechen, oder Gerüchte verbreiten, zum Sex gezwungen worden zu sein. An dieser Stelle möchte ich auch einmal die Perspektive dieser Männer einnehmen. Männer, die in ihrer Kindheit gelernt haben stark zu sein und ihre Gefühle zu unterdrücken. Männer, die daher nicht sonderlich emphatisch sind und kleine Gesten, Andeutungen oder Nuancen in der Sprache nicht erkennen. Wenn diese Männer auf Frauen treffen, die ihr inneres NEIN höchstens mit einem „Du… ich weiß nicht genau…“ ausdrücken können und dabei auch noch lächeln, ist das Desaster vorprogrammiert. Oft heißt es dann: „naja, sie hat sich zwar ein bißchen geziert, aber das gehört doch mit zum Spiel“…

Ich glaube, wir haben alle unseren Weg zu gehen. 

Für alle, deren Grenzen öfter überschritten werden – egal auf welcher Ebene, egal ob Mann oder Frau – liegt die Aufgabe darin sich selbst die Erlaubnis zu geben NEIN zu sagen, es sich selbst wert zu sein… und die eigenen Bedürfnisse und Grenzen spüren und kommunizieren zu lernen. Wenn sich irgendetwas nicht stimmig anfühlt, darfst Du NEIN sagen. Selbst wenn Du schon JA gesagt hast, darfst Du Deine Meinung ändern. Wenn jemand Dein NEIN nicht akzeptiert, steh auf und geh. Versuch nicht nett zu sein. Sorge für Dich.

Und für alle, denen schon einmal vorgeworfen wurde Grenzen zu überschreiten, lohnt es sich das ernst zu nehmen und das eigene Verhalten zu hinterfragen,selbst wenn sie sich keiner Schuld bewusst sind. Oft geht es für diese Menschen darum sich selbst und andere wirklich spüren zu lernen, auch subtil kommunizierte Grenzen wahrzunehmen und achtsamer zu agieren. Und im Zweifel lieber doppelt zu fragen, ob es wirklich okay ist.

Dann kann wahre Verbindung entstehen… Sicherheit und Vertrauen… und letzten Endes auch Freiheit. Wenn ich keine Angst mehr haben muss, dass mein Partner meine Grenzen übertritt, dann kann ich mich beim Sex wirklich entspannen, fallenlassen und mich komplett hingeben. Und wenn ich auf der anderen Seite keine Angst mehr haben muss die Grenzen meines Partners zu überschreiten, kann ich selbst mutiger sein, mich mit meinen Bedürfnissen zeigen und neue Sexpraktiken ausprobieren – in dem Wissen, dass der andere es mir zeigen oder ich es spüren werde, wenn etwas zu weit geht oder dem anderen nicht gefällt.

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