Scham in der Partnerschaft

Was Verbindung am meisten im Weg steht

Warum Scham unsere Beziehung zerstören kann und wie wir besser damit umgehen

Niemand möchte über Scham sprechen. 

Meistens stecken wir lieber den Kopf in den Sand, verstecken uns, schweigen und hoffen, dass das, wofür wir uns schämen, nie jemand heraus finden wird.

Allerdings ist das das Schlimmste, was wir machen können.

Denn je weniger wir darüber sprechen, desto größer wird die Scham.
Und letzten Endes ist es die Scham, die unserem Bedürfnis nach Verbindung am Meisten im Weg steht.

Alle Menschen sehnen sich nach Liebe und Verbindung.

Aber nur wenige von uns sind bereit, sich verletzlich zu zeigen, zuzulassen, dass wir wirklich gesehen werden – so wie wir sind, mit all unseren Ecken und Kanten, Schwächen und Schatten… in all unserer Unperfektheit, für die wir uns schämen.

Aber genau das ist es, was es braucht für eine erfüllte Partnerschaft.

Den Mut uns verletzlich zu zeigen und das, wofür wir uns, schämen in Kontakt zu bringen.

Eine wundervolle Rede dazu findest Du hier von Brené Brown.

In diesem Artikel wollen wir uns ansehen, was für unterschiedliche Formen von Scham es gibt, wann diese Emotion nützlich ist und wann destruktiv und wie wir einen gesunden Umgang damit finden können – im Leben, in der Partnerschaft und in der Sexualität.

Gesunde Scham hilft uns im Zusammenleben mit anderen.

Das Thema Scham ist ein Tabuthema in unser Gesellschaft. Natürlich ist Scham keine angenehme Emotion, aber eine nützliche, denn sie hilft uns im Zusammenleben mit anderen Menschen, um in der Gesellschaft zu überleben. 

Diese Emotion hilft uns dabei, zu merken, wenn wir einen Fehler gemacht haben oder, wenn einen anderen Menschen verletzt haben, Reue zu empfinden und uns zu entschuldigen. 

Die Scham hilft uns auch dabei, uns an gesellschaftliche Regeln anzupassen. Sie unterstützt uns dabei, die Grenzen anderer zu wahren und andere zu respektieren. 

Menschen ohne Scham sind oft Psychopathen, die keine Reue empfinden können und keinerlei Empathie für andere haben. 

Wenn ich also meinen Partner durch meine Taten oder Worte verletzt habe und Scham empfinde, wäre ein gesunder Umgang damit:

  • Die Emotion wahrzunehmen
  • Zu hinterfragen, warum ich so gehandelt habe und Mitgefühl für mich selbst zu kultivieren (was war mein guter Grund dafür?) 
  • Meine Lektion zu lernen (was kann ich tun, um das in Zukunft zu vermeiden?)
  • Mich verletzlich zu zeigen und um Vergebung zu bitten

Wenn mir das gelingt und mein Partner mir vergibt, kann ein Fehler sogar die Verbindung in der Partnerschaft noch weiter vertiefen und stärken.

Wenn ich jedoch dem Impuls meiner Scham folge und versuche, das Thema unter den Teppich zu kehren oder mein Stolz mir verbietet, den Fehler einzugestehen und mich zu entschuldigen, dann wird das Thema mit der Zeit nur immer größer und wird früher oder später großen Schmerz verursachen.

Dabei sind die Folgen dieser Vertuschungsaktion meistens größer als gedacht.

  • Erstens besteht natürlich immer das Risiko, dass das Thema doch irgendwann zum Vorschein kommt und der Partner dann erst recht verletzt ist, weil ich versucht habe es zu verstecken
  • Zweitens wird die Scham meistens eher größer und der Versuch etwas zu verstecken führt immer dazu, dass ich mich emotional von meinem Partner entferne.
  • Drittens kann ich meine Lektion nicht lernen, wenn ich das Thema verdränge und mir nicht genau anschaue und verstehe, warum ich so gehandelt habe.
  • Viertens sinkt mein eigener Selbstwert und die Achtung vor mir selbst, wenn ich nicht nach meinen eigenen Werten handle und mich vielleicht auch noch dafür verurteile

Sogar die meisten Unternehmen haben bereits erkannt, dass das Vertuschen von Fehlern nicht nur der Unternehmenskultur und dem emotionalen Klima im Team schadet, sondern auch schlichtweg hohe Kosten produziert.

Deshalb führen viele Firmen eine offene „Fehlerkultur“ ein, in der Fehler bewusst nicht bestraft werden, wenn wir sie direkt melden, sondern dieser offene Umgang damit eher Anerkennung findet.

In meiner Arbeit in der Unternehmensberatung konnte ich selbst beobachten, welche enormen Auswirkungen es hatte, wenn diese Fehlerkultur nicht nur auf dem Papier stand, sondern wirklich gelebt wurde – sowohl auf den Zusammenhalt im Team, als auch für den Unternehmenserfolg.

Diesen offenen Umgang mit Fehlern wünsche ich mir auch für Partnerschaften und Familien.

Meistens schämen sich doch Kinder schon genug, wenn sie etwas kaputt gemacht haben, warum müssen wir sie noch zusätzlich schimpfen oder beschämen??

Meistens hat auch unser Partner sich selbst schon genug verurteilt, wenn er zu uns kommt und sich entschuldigt. 

Wie wäre es, wenn es uns gelingen würde, ihm in dem Moment mit Mitgefühl zu begegnen, anstatt mit Verurteilung? … mit Dankbarkeit für die Offenheit, sich verletzlich zu zeigen? … mit Vergebung anstatt Bestrafung?

Natürlich ist das nicht immer leicht.

Es ist nicht leicht, um Vergebung zu bitten.

Es ist nicht leicht, zu vergeben.

Aber es ist unumgänglich für eine liebevolle Beziehung.

Es ist die Frage, in was für einer Partnerschaft wir leben wollen… ob wir einen Schuldigen suchen, uns über den Partner stellen und uns damit rächen wollen, oder ob wir mit unserem Partner eine Kultur des Mitgefühls, der Vergebung und der Heilung erschaffen wollen. 

Das bedeutet natürlich, nicht die eigene Trauer, Wut oder Enttäuschung zu unterdrücken, sondern vielmehr einen Platz zu schaffen für alles, was da ist. So können wir immer mehr Raum für Öffnung und Heilung ermöglichen. 

Denn letzten Endes ist Mitgefühl der beste Umgang mit der Scham.

Mitgefühl für uns selbst.

Und Mitgefühl für den Partner.

Dazu kann es hilfreich sein, ein regelmäßiges Vergebungsritual in der Partnerschaft zu etablieren.
Darin können wir das Alte, was zwischen uns steht, loslassen und uns neu begegnen.
Es ist ein Ritual, in dem jeder die eigenen Fehler eingesteht und um Vergebung bittet. Dies kann sehr hilfreich sein, um sein Herz zu öffnen, sich verletzlich zu zeigen und Alles aus dem Weg zu schaffen, was die tiefe Verbindung und Liebe zueinander noch behindert.

Kulturelle Scham darf hinterfragt werden

Eine weitere Art von Scham, ist die Scham, die in verschiedenen Kulturen entstanden ist. 

In unserer heutigen westlichen Gesellschaft gehören Sexualität und Verletzlichkeit zu den Themen, die nach wie vor tabuisiert werden. Dabei geht es vor allem um Scham in Bezug auf „negative“ Emotionen, wie Wut, Angst, Trauer, Depression und – in Bezug auf die eigene Lust – Fantasien, Sex mit unterschiedlichen Partnern, sexuelle Vorlieben, die nicht der „Norm“ entsprechen, und vieles mehr…

Hier können wir uns fragen, ob die Normen, die wir durch Kirche und Gesellschaft vermittelt bekommen haben, heute noch Sinn machen? 

Dabei ist es wichtig, sich die eigenen Glaubenssätze, die uns zum Thema Sexualität und Verletzlichkeit vermittelt worden sind, einmal bewusst zu machen und zu hinterfragen. 

Wir können Scham empfinden, für:

  • Sexuelle Fantasien, die in uns schlummern
  • Unsere Unzufriedenheit mit dem eigenen Sexleben
  • Unseren Körper
  • Selbstbefriedigung
  • Die eigenen sexuellen Vorlieben
  • ….

Auch hier gibt es wieder den Impuls, sich damit zu verstecken und nicht darüber zu reden.

Ich erinnere mich noch, als ich in einem meiner ersten Tantra Workshops mit fremden Menschen über meine Sexualität sprechen sollte, mit wie vielen Hemmungen und Scham dieser Bereich für mich verbunden war. 

Ich durfte einige Glaubenssätze hinterfragen, wie zum Beispiel: 

„Über Sex spricht man nicht, man tut es einfach“

„Ich muss meine Gedanken über Sexualität verbergen, damit ich nicht verurteilt werde“

Es hat mir jedoch sehr geholfen die Hemmungen in diesem Bereich zu überwinden, mich – so wie alle anderen in der Gruppe – zu öffnen und dadurch festzustellen, wie erlösend es ist herauszufinden, dass es ganz vielen anderen Menschen genauso geht wie mir. Dadurch hat sich auch die Scham schnell in Luft aufgelöst.

In der Partnerschaft war es für uns auch sehr heilsam, einen sicheren Rahmen füreinander zu kreieren, in dem Offenheit immer wieder belohnt wurde und wir uns gegenseitig bestärkt haben, uns verletzlich zu zeigen, anstatt mit Verurteilung zu reagieren.

Daraufhin ist es uns viel leichter gefallen, offen über unsere Bedürfnisse, Wünsche und Fantasien zu sprechen, uns näher zu kommen, mehr Verständnis füreinander zu entwickeln und auch unsere Sexualität auf ein ganz anderes Level zu bringen. 

Wir können so viel mehr Verbindung zu unserem Partner kreieren, wenn wir uns trauen, uns verletzlich zu zeigen, uns zu öffnen und uns mit all unseren Unperfektheiten, unseren Sehnsüchten, unseren Fantasien unseren Emotionen, unser Angst und auch unser Scham zu zeigen.

Was konkret können wir also tun, um uns von dieser Scham zu lösen?

  • Unsere Gedanken und Emotionen und insbesondere die eigene Scham in Bezug auf Sexualität bewusster wahrnehmen
  • Glaubenssätze hinterfragen
  • In der Partnerschaft einen sicheren Raum kreieren, in dem Offenheit nicht bestraft, sondern bestärkt wird 
  • Offen mit dem Partner kommunizieren
  • Uns in Mitgefühl üben
Toxische Scham darf geheilt werden

Neben der gesunden und der gesellschaftlichen Scham, gibt es aber auch noch diese Stimme in unserem Kopf, die uns für alles Mögliche beschämt. 

Es ist meistens die Stimme unserer Eltern und ist aus früheren Verletzungen in der Kindheit entstanden. 

Die Sätze, die wir uns selbst immer wieder sagen, sind oft: 

„Stell dich nicht so an“

„Du bist nicht schlau / hübsch / schnell / stark / … genug“

„Du bist falsch“

… 

Hier sprechen wir von Selbstbeschämung oder auch von toxischer Scham, weil sie uns das Gefühl vermittelt, von Natur aus falsch zu sein. 

Daraus entwickelt sich oft der Glaubenssatz, dass irgend etwas mit uns nicht stimmt, dass wir nicht gut genug sind oder gar, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn wir gar nicht da wären. 

Diese Scham haben wir oft so verinnerlicht, dass wir uns dazu pushen „perfekt zu sein“, „zu funktionieren“, „uns zu benehmen“, „brav zu sein“, „für andere da zu sein“ usw., um uns in irgendeiner Form die Liebe und den Platz auf dieser Welt zu verdienen. 

Es ist eine Stimme in uns, die uns in ein bestimmtes Bild pressen will. Sie hilft uns zwar manchmal dabei, erfolgreich zu sein oder in der Gesellschaft zu funktionieren, vermittelt uns aber auch den Eindruck, dass wir uns permanent anstrengen müssen, um geliebt zu werden oder dass wir uns getrieben fühlen.

Diese Scham sorgt dafür, dass wir unseren Impulsen und Gefühlen nicht mehr vertrauen, sondern stattdessen die Erwartungen anderer erfüllen und perfekte Rollen spielen, damit wir uns die vermeintliche Liebe und Anerkennung von unseren Bezugspersonen verdienen. 

Die toxische Scham trennt uns von uns selbst und von unseren Bezugspersonen und wir können somit nie ganz verbunden und in der Einheit sein. 

Wir haben also gelernt eine „falsche Identität“, „ein falsches ich“ aufzubauen und verlernt, wirklich wir selbst zu sein. Dies ist oft die Konsequenz einer „Erziehung“. Diese toxische Scham dient uns jedoch nicht mehr in unseren erwachsenen Leben. 

Doch warum machen wir das? 

Warum hören wir nicht damit auf, uns zu beschämen? 

Wie können wir sanfter und liebevoller mit uns sein? 

In meiner Erfahrung ist es ein Prozess, sich von dieser toxischen Scham zu befreien. Möglichkeiten sind:

  • Der spirituelle Weg ist eine mögliche Antwort auf die Frage „wer bin ich?“, um sein authentisches Selbst wiederzufinden und zu leben 
  • Sich mit seinen Emotionen zu beschäftigen, diese wirklich durch zu fühlen und sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen 
  • Therapie
  • Meditation und Bewusstseinsarbeit
  • Heilungsarbeit in der Partnerschaft und mit Tantra

In meiner Erfahrung hat mir Tantra auf diesem Weg der Heilung von Scham sehr geholfen. 

Im Tantra wollen wir alle Emotionen und alle Energien für unser Leben nutzen. Wir wollen frei werden, weg vom Urteilen, hin zur Annahme. 

Wir wollen unsere Partner so akzeptieren und lieben, wie sie gerade sind und auch uns selbst so lieben, wie wir sind. 

Wir erforschen bewusst unsere Schatten, damit wir uns selbst immer tiefer kennen lernen und somit immer freier werden, alle Ängste und Limitierungen aufbrechen und die Liebe als unseren Kompass wählen.

Wenn wir das schaffen, können wir auch mit unserem Partner wachsen und das Leben in vollen Zügen genießen. 

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